Warum dein Bremsweg bei 100 km/h viermal so lang ist wie bei 50 km/h– und nicht doppelt

Die vier Faustformeln stehen in jeder Lern-App. Die meisten meiner Schüler können sie runterbeten, ohne zu stocken – und rechnen sie in der Prüfung brav aus. Für die Punkte reicht das. Aber sobald eine Frage etwas anders gestellt ist, fällt das Kartenhaus zusammen. Deshalb hier einmal das Warum.

Die vier Formeln

  • Reaktionsweg = (Geschwindigkeit ÷ 10) × 3
  • Bremsweg = (Geschwindigkeit ÷ 10) × (Geschwindigkeit ÷ 10)
  • Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg
  • Gefahrbremsung: Bremsweg ÷ 2

Rechnen wir das einmal durch

Bei 50 km/h: Der Reaktionsweg ist 5 × 3 = 15 Meter. Der Bremsweg ist 5 × 5 = 25 Meter. Zusammen 40 Meter, bis du stehst.

Bei 100 km/h: Reaktionsweg 10 × 3 = 30 Meter. Bremsweg 10 × 10 = 100 Meter. Zusammen 130 Meter.

Du fährst doppelt so schnell – aber du brauchst nicht die doppelte Strecke, sondern mehr als das Dreifache. Und das ist genau die Stelle, an der die meisten in der Prüfung danebengreifen.

Der Grund steckt in der Formel selbst

Schau dir an, wie oft die Geschwindigkeit in den beiden Formeln vorkommt. Beim Reaktionsweg einmal – du verdoppelst das Tempo, der Weg verdoppelt sich mit. Logisch: In der Sekunde, die du zum Reagieren brauchst, legst du eben die doppelte Strecke zurück.

Beim Bremsweg steht die Geschwindigkeit zweimal in der Rechnung. Deshalb verdoppelt sie sich nicht, sondern vervierfacht sich: aus 25 werden 100 Meter. Das ist keine Fahrschul-Willkür, das ist Physik – die Bewegungsenergie deines Autos wächst im Quadrat zur Geschwindigkeit, und genau die muss die Bremse wieder loswerden.

Was dir das in der Prüfung bringt

Es gibt eine ganze Gruppe von Fragen, die genau darauf zielt: „Wie verändert sich der Bremsweg, wenn Sie die Geschwindigkeit verdoppeln?“ Wer nur die Formel auswendig kann, fängt an zu rechnen und verzettelt sich unter Zeitdruck. Wer das Prinzip verstanden hat, weiß die Antwort sofort.

Merk dir einen Satz: Der Reaktionsweg verdoppelt sich, der Bremsweg vervierfacht sich. Mehr brauchst du nicht.

Und falls du bei so etwas lieber jemanden fragst, statt es dir allein zusammenzureimen: Genau das machen wir jeden Sonntag im Livestream. Der erste ist kostenlos – hier geht’s zur Anmeldung.

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